Gedanken zur Europawahl aus dem Gefängnis (Brief von Ursula Haverbeck vom 04.06.2018)

Liebe Landsleute, liebe Bürger des „christlichen Abendlandes“,

das christliche Abendland! – gibt es das eigentlich noch? Wird nicht alles getan von naturfeindlichen und damit zugleich Gott-feindlichen Mächten, es zu zerstören und den Reichtum seiner Völker auszulöschen? Wozu dient da eine Europawahl?

Geht es nur um den Sieg einer Partei, einer bestimmten Weltherrschaftsideologie, verbunden mit viel Geld? Das wäre dann nicht viel anders als bei den anderen Wettkämpfen, die auch mit den Nachrichten verknüpft werden: der Kampf jetzt z.B. um den Weltpokal im Fußballspiel.

Für den Wettkampf gebrauchen wir genauso wie für den Wahlkampf das gleiche Wort: Kampf. Bei beiden geht es um den Sieg einer Partei über die andere. Beide haben festgelegte Regeln, nach denen vorgegangen werden muß und die in beiden Fällen umgangen werden können durch Wahlbetrug, Korruption und Fouls – und in beiden Fällen geht es um viel Geld. Die einen erkaufen sich damit Macht, die anderen kaufen sich den teuersten Fußballer. Überall stehen im Hintergrund das Geschäft und die Wirtschaft.

Was hat das eigentlich mit Politik zu tun?
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JVA-Probleme (Brief von Ursula Haverbeck vom 01.06.2018)

Die Gesetzgebung in der BRD und EU hat zwar die entlegensten Winkel erfaßt, aber in JVAs = Justizvollzugsanstalten – früher Gefängnis, fehlt außer der gelungenen „Namensmodernisierung“ noch manches.

So ist es dem Gesetzgeber völlig entgangen, daß Männer Hosentaschen, Damen aber Handtaschen haben – besonders ältere, um notwendigen Kleinkram griffbereit dabei zu haben. Alle Taschen werden entleert, untersucht und das Notwendige dem Besitzer wieder zugeschoben. Der stopft es in die Hosentasche – doch die Dame, die bekommt die Handtasche nicht zurück, sie wird, obgleich völlig entleert zur „Habe“ gelegt und in die „Kammer“ eingeschlossen.

Da steht sie nun und versucht Kämmchen, Taschentuch, Brille, Schreibstift und Miniblock, Schließfachmarke und noch zwei Hustenbonbons in einer Hand auszubalancieren, weil sie sich mit der anderen Hand am Treppengeländer festhalten muß. (Im Amtsgericht Verden 2 Treppen hoch). Die untersuchten Hosentaschen aber dürfen in der Hose bleiben – naja, vielleicht, weil Scheren in einer JVA und an Gerichten verboten sind?

Es bedarf dringend eines „Handtaschenmitnahmegesetzes“, abgekürzt vielleicht „Hataminage“, sonst ist der Name einfach zu lang.

Mit den verbotenen Messern und Scheren in einer JVA entstehen noch weitere Probleme: Salami-, Schinken- und Käsescheiben sind in widerstandsfähigen Plastik eingeschweißt. Das hält den schwachen Kräften der bald 90jährigen unbeeindruckt stand.

Es fehlt ein Sondergesetz, welches der „Essensausteilerin“ erlaubt, einen Dolch oder Schere an Gürtelkette zu tragen um den Zugang zum begehrten Gut zu ermöglichen.

Man könnte ja ein „Wuhüdo“-Gesetz oder einfacher ein „Plasche“-Gesetz europaeinheitlich verabschieden, wobei ich allerdings für das japanisch klingende „Wuhüdo“ (Wursthüllendolch) wäre, anstatt des etwas ordinären „Plasche“ (Plastikschere).

Im Amtsgericht Verden, wo es auch Handtaschenverbot gab, ist bereits das „Hataminage“ eingeführt worden.

Lieber Markus zunächst einmal dieses – man kann nicht immerzu weinen!

Liebe Grüße
Ursula

Dankesbrief von Ursula Haverbeck aus der Gesinnungshaft – Ende Mai 2018

Bielefeld, den 28. Mai 2018

Liebe Angehörige des Volkes der Dichter und Denker!

Da wacht etwas auf, beginnt vom Protestieren und Jammern zum Handeln überzugehen – und schreibt Briefe in einer so riesigen Zahl.

Die Gefängniszensur bricht beinahe zusammen und ich kann nur völlig überrascht danken für die Gesundheitswünsche und immer wieder angebotene Unterstützung. Bitte versteht, das geht nur noch in einer Sammelantwort.

Sehr viele fragen, was können wir für Dich tun, Ursula? – Genau das, vom Denken und wütendem Schweigen zum Sprechen und Handeln übergehen. Damit könnt Ihr nicht nur für Deutschland und alle Völker dieser Erde etwas tun, sondern auch für mich.

Hier im Haus sind inzwischen alle genau informiert, dank Eurer Demo und der Briefe. Außerdem müssen alle lokalen Medien mehr als einen Tag lang über mich und Euch berichtet haben. Die beiden Lieder habe ich übrigens gut gehört und auch, daß es ein großes Ereignis war, die Reden konnte ich nur gelegentlich in einem Wortfetzen hören.

Nun sind alle Mitarbeiter und Mitgefangene noch freundlicher und hilfsbereiter. Was im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt, tun sie zu meiner Unterstützung beim Einleben in dieser neuen Welt.

Ich habe viel Zeit – völlig ungestört – über die Gestaltung einer wünschenswerten Volksordnung in der Zukunft nachzudenken. Wie viele Seminare haben wir einst dazu durchgeführt und die trapezförmigen Tische, die ich in den sechziger Jahren für unseren Seminarraum entwickelte, um runde und auch eine ovale Form zu erhalten, die habe ich hier im sogenannten Fernsehraum auch vorgefunden, die wurden damals überall nachgemacht.

Damit habe ich schon einige der Fragen beantwortet, die immer auftauchen. Dank für die zahlreichen Briefmarken, die ich sehr gut gebrauchen kann, vor allem für die noch lebenden Jahrgangsgenossen, die, wie ich, das Internet nicht nutzen, sondern lieber lesen und schreiben. Es gibt erstaunlicherweise bisher nur Vorschriften, wie viel Strümpfe, Hosen oder Jacken man haben darf, aber noch nicht, wie viele Briefe ich schreiben darf.

Besonders aufschlußreich auch für manche deutschen Briefe war der Artikel von einem David Hesse aus dem Tagesanzeiger aus der Schweiz vom 11. Mai 2018. Da heißt es: „Keine Frage, Holocaustleugner wie die eben verhaftete Ursula Haverbeck gehören geächtet und bekämpft. Aber nicht ins Gefängnis.“ Als Zwischenüberschrift hieß es: „Wahrheitsgesetze sind ein Fehler.“

Herzlichen Dank für den Brief und ebenso für die zweifelnde Kritik an meiner Frage nach dem Tatort (…), der daran erinnert: „Es gibt ‚meine‘ Wahrheit und ‚deine‘ Wahrheit und es gibt die Wahrheit.“

Forschungsergebnisse über historische Abläufe sind immer subjektiv gefärbt in der Bewertung und unterliegen der Wandlung. Wie war das doch mit Katyn? 40 Jahre lang sollte die Deutsche Wehrmacht dort 4500 polnische Offiziere umgebracht und verscharrt haben. Jelzin überraschte den polnischen Ministerpräsidenten 1991 (oder 92), daß Stalin den Befehl zur Liquidierung von 22.000 polnischen Intellektuellen und Offizieren gegeben hatte, wozu auch die Opfer von Katyn gehörten.

Wurde das jemals in den Medien von der Regierung öffentlich richtiggestellt?

Leider geistert durch einen Teil der Briefe noch immer die Angst, sodaß sie ohne Namen und Anschrift kommen. Vielleicht sollte einmal gemeinsam darüber nachgedacht werden, ob eine Feindmacht besiegt werden kann, solange ihre Gesetze befolgt werden? Können wir auf andere warten?

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