Das Leben in einer Zelle in der Bundesrepublik Deutschland – von Ursula Haverbeck, Mai 2020

Ursula, schreib doch bitte einmal, wie das Leben in einer Zelle aussieht. Wie es Dir geht, was Du am meisten vermißt. Also gut, ich schreibe jetzt vom Zellenleben, aber vergeßt nicht, es handelt sich um mein Erleben, andere erleben es sicher oft anders.

Mir geht es gut, so gesund, wie mit fast 92 möglich. Dankbar für viele freundliche, höfliche, hilfsbereite Menschen, die in der Regel ein halbes Jahrhundert jünger sind als ich. Die älteste Inhaftierte der Welt! So wird behauptet. Irgendwas muß der Mensch schließlich sein!

Als ich mit Agraringenieuren – zuvor Bauern genannt – mit der Giftspritze hinter dem Traktor und den Agrarpolitikern nach der Methode „Wachse oder Weiche“ über den ökologischen Landbau verhandelte, da lagen sie noch mit Einwegpanties im Kinderwagen – noch nicht „Selbstfahrer“ – und das bis heute nicht, aber immerhin, keine Windelwäscherei mehr.

Da muß es ja Verständigungsschwierigkeiten geben. Das ist doch klar. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist Kochen und Backen, meine Lesen und Nachdenken.

Mit mir zu sprechen, erfuhr ich sehr bald von einer noch zumindest phantasiebegabten Gewalttätigen: „Mit Ihnen zu sprechen, das ist mir zu anstrengend!“ – „Anstrengend?“, fragte ich ganz verblüfft. „Ja, da muß man immer denken und da hab ich keine Lust zu, das ist anstrengend.“

Zu Beginn kam die in der Bibliothek arbeitende – also nicht denkunwillige – mit einer zweiten Frau und fragte: „Sie oder Du?“ – Ich zögerte einen Augenblick und sagte „Sie“. In Ordnung, und sie zogen wieder ab. Die Mitgefangenen werden von allen Beamten mit Namen, „Frau“ und „Sie“ angesprochen, und das mache ich auch so. Das war meine erste Lehrstunde. Ob „bestanden“‚ das weiß ich nicht, aber ich vermute: ja.

Damals, 1940, gab es auf dem Land, im Osten jedenfalls, kein Müllproblem. Wir sammelten alles, für vieles galt „aus alt mach neu“. Hier in dem Gefängnis gibt es Müll überall, obgleich wir zum Beispiel in der Küche vier Behälter stehen haben: Bio, Restmüll, Plastik, Papier, so steht es groß an der Wand darüber. Müll muß also sortiert werden. Das klingt einfach, doch schon kommen die Probleme: Wohin mit dem Plastikbehälter mit dem zu alten Quark? Herausnehmen und zum Bio-Eimer und dann Plastik zu Plastik, das ist offenbar für viele zu hoch, oder „Denken ist anstrengend“ – oder Faulheit.

Es gibt drei Kategorien von Haft: Untersuchungshaft, normale Haftstrafe (den ganzen Tag eingeschlossen in der Zelle) und gelockerten Vollzug. Bei mir sind es14 Inhaftierte in einem Groß-Eßraum mit langem Eßtisch für alle, von dem alle Türen abgehen zu den Zellen, einem Fernsehraum mit Sofa, Sitzecken, Kaffeemaschine, Bügelbrett + -Eisen und Fernsehen usw. Vor allem auch viele Spiele. Das ist im gelockerten Vollzug so.

Es wird wirklich viel für die Häftlinge getan, sie können alles Mögliche beantragen – jetzt nur durch Corona mehr oder weniger eingeschränkt, wie ja auch schon seit zwei vollen Monaten kein Besuch mehr.

2x im Monat gibt es aber jetzt Einkauf von Obst, Honig, Butter, Käse, Eier usw. Dazu Vegan-Ernährung und vor allem türkische Spezialitäten, die auch einen großen Teil des Mittagessens ausmachen, doch man kann sich ja etwas anderes machen. Die Küche bietet viele Geräte, sogar ein elektrisches Waffeleisen.

Es gibt ein „Frauencafé“ (1x in 14 Tagen), Sprachunterricht, Sport und psychologische Betreuung, und ein großes Sommer- und Herbstfest. Die meisten haben Fernsehen in der Zelle, was bezahlt werden muß, wie auch die vierzehntägige Privatwäsche, die wir benutzen, Winter- und Sommerwechsel ist erlaubt.

Ich bin inzwischen für Verschiedenes Ansprechpartner der Inhaftierten, und habe Verschiedene, die sich mir anschließen beim einstündigen Freigang im hübsch angelegten Gelände mit großem und kleinem Rundweg, mit einem Seerosenteich, die leuchtend gelb blühen, Bänke in Sonne oder Schatten und einem gepflasterten Platz mit Netz zum Ballspielen. Alles zum Frühjahr von den Gartenarbeiterinnen mit Blumen bepflanzt. Von Essensausgabe bis zu Wäsche und Hausputz wird alles selbst gemacht, aber immer in Begleitung einer Mitarbeiterin der „Justiz“.

Mir ist meine Zeit zu schade zum Kochen – vom Gebackenen bekomme ich sehr oft Kostproben.

Am Nikolaustag stand ein großer Schokoladenweihnachtsmann vor der Zellentür, und ab Advent ein Weihnachtsbaum, geschmückt von der Häftlingsgruppe Hausputz. Es gibt jeden Sonntag Gottesdienst, katholisch + evangelisch gemeinsam.

Alle 14 Tage wird frische Bettwäsche reingereicht, dazu Handtücher, Aufnehmer etc. Meine Zelle wurde, besonders nach einem sehr ungemütlichen Sturz, altersgemäß ausgerüstet. auch die gegenüberliegende Dusche. Ich erhalte die interessantesten Briefe aus der ganzen Welt, werde um Beiträge gebeten und bin immer froh, wenn von Freitag nachmittag bis Montag früh wir alle eingeschlossen sind und nur Frühstücks- und Mittagsstörung haben.

So sieht es aus, wenn man erkannt hat, daß weder der Tag noch die Arbeit ein Vorzeichen haben, alles ist völlig wertneutral. Ich setze das Vorzeichen. Das erkläre ich auch hier, wenn gefragt wird, wieso ich immer so heiter bin.

Es liegt in meiner Hand, ob ich eine notwendige Arbeit lustlos brummend oder mit Freude und Spaß bei der Sache mache. Es gibt eigentlich nichts, was im Laufe eines Tages nicht auch ein wenig Komik hat, was zum Lachen führt. Besonders komisch war meine Seerosenteicherrettung, das ganze Gefängnis war voller Lachen. [Ursula ist vor einigen Monaten während der Freistunde in einen Seerosenteich gestürzt, hatte sich dabei aber glücklicherweise keine Verletzungen zugezogen. Sie wurde sofort von mehreren Wärtern und Mitinsassinnen aus dem Wasser gezogen. – Anm. d. Schriftleitung.]

Natürlich werde ich jetzt langsam älter, höre, sehe, spreche schlechter, bin oft müde und nicht mehr so entschlußfreudig.

Doch gleichzeitig fühle ich mich getragen von so unendlich vielen Menschen aus der ganzen Welt, die verstärkt schreiben: „Halte durch‚ Du wirst bald frei, es ist überall so viel Bewegung, wir beten für Dich.“ Gerade gestern erhielt ich zwei sehr nachdenklich machende Briefe aus Québec (Kanada) und aus Neuseeland.

Also es bleibt dabei:

Froh zu sein bedarf es wenig,
und wer froh ist, ist ein König!

Eure Ursula

Pfingstgrüße von Ursula Haverbeck

Liebe Brief- und Kartenschreiber, die Ihr mir Anteil gebt an dem Leben im „Äußeren Gefängnis“, an welchem einige wirklich sehr zu leiden haben.
Uns, im „Inneren Gefängnis“, fallen die Einschränkungen und fehlenden Kontakte gar nicht mehr so auf, obwohl der fehlende Besuch viermal im Monat mit jeweils drei Personen, schon ein harter Einschnitt ist.

Das Westfalenblatt teilt jede Woche den Stand der Neuerkrankten oder auch nur Infizierten z. B. für die Stadt Bielefeld mit 0,3 % und Kreis Herford mit 0,4 % mit, jetzt für die 8. Woche nach Ostern.

Das sind in Bielefeld 11 Infizierte zurzeit und in Herford 3, derentwegen die ganze Stadt mit Abstand und Masken in Superläden usw. herumläuft, und nur jeweils 3 Menschen aus einem Haushalt in einem Auto fahren oder gemeinsam spazieren gehen dürfen. Die in zwei Haushalten lebend, aber gemeinsam im Wald spazieren gingen, mußten pro Person 200 Euro, also insgesamt 1.000 Euro zahlen, und taten es auch, wie mir empört mitgeteilt wurde.

So etwas kann hier in der JVA nicht passieren!
Ich leide nicht an Corona-Symptomen, dafür an fehlendem Fußpfleger, schon seit 4 Monaten, was mein Fuß mit Schmerzen quittiert. Nagelscheren sind nach dem Regelwerk nicht erlaubt. Da ganz unten hin würden meine Augen auch nicht ausreichen.

Einer schrieb mir: „Jetzt weiß ich auch, warum die Leute im Dritten Reich und in der DDR alles mitgemacht haben. Würde man den Deutschen heute sagen, ab 15. Juni tragt ihr alle waschbare grüne Schuhe, dann würden sie das tun. Für ihre Gesundheit tun sie alles, auch wenn es sich im Nachhinein als gesundheitsschädlich erweisen sollte.“

Denk ich an Deutschland – nicht nur in der Nacht, wie Heine singt, sondern Tag und Nacht –, dann sehe ich mit Entsetzen, wie man in kurzer Zeit ein ganzes Volk ruinieren kann. Man muß nur bei den richtigen Punkten ansetzen: beim Schulsystem (Erziehung und Bildung) und den Gerichten‚ wo es nicht mehr um Recht und Gerechtigkeit geht, wie der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes feststellt, in seinem Buch: „Das Ende der Gerechtigkeit“ von Jens Gnisa, erschienen 17. August 2017.

Insofern geht es mit natürlich nicht gut.
Hoffentlich ist es mir nun gelungen, Euch einen kleinen Einblick in die Corona-Situation eines politischen Häftlings zu geben.
Es wäre jetzt wirklich an der Zeit, gegen die Parteien zu klagen, die tatsächlich nicht auf dem Boden von Grundgesetz und Völkerrecht stehen.
Nach dem Motto „Haltet den Feind!“ haben sie das lange genug NPD und AfD vorgeworfen. Nein, diejenigen, welche mittels eines Paragraphen 130, Volksverhetzung, den Grundgesetzartikel 5, Meinungsfreiheit, und den Artikel 97, Unabhängigkeit der Richter, aufgehoben haben, was der Bundesrepublik immer wieder Rügen eingetragen hat, werden jetzt von uns Bürgern zur Verantwortung gezogen werden, entsprechend des Aufrufs vom Bundespräsidenten in der Weihnachtsansprache 2019 / 20:

Er ruft die Deutschen zu mehr Verantwortlichkeit auf, wörtlich sagt er: „Sie alle haben ein Stück Deutschland in ihrer Hand“, und sehr viel mehr ist (nicht) hinzuzufügen (natürlich nicht die Passdeutschen).

Wir haben das gesamte Rechtsleben in unserer Hand. Wer sich das klarmacht, könnte an der Größe der Aufgabe verzweifeln. Der Mensch kann aber auch daran wachsen und unerhörte Kräfte gewinnen.
Gibt es eine würdigere Aufgabe, als das Recht wieder zu inthronisieren?

Viele Zuschriften besagen, man könne doch nichts tun‚ die ewige Versuchung‚ die bei nur ein wenig Selbstprüfung sofort zu Bequemlichkeit wird. Ich kenne das und habe mir Bequemlichkeit als Entscheidungsargument streng untersagt. Sie werden das auch kennen und sich entscheiden müssen.

Liebe mitdenkende Freunde der Wahrheit, werdet zu Mitkämpfern für die Wahrheit und Wiedererrichtung des Rechtstaates, nur dann kann es Freiheit geben, wie in unendlich vielen Liedern besungen.

Der erste Schritt dazu heißt: Paragraph 130 StGB, Volksverhetzung, muß fallen – insgesamt! Sofort!

Ursula Haverbeck,
Pfingsten 2020

Betrifft: Antrag auf Freilassung von Ursula Haverbeck, gestellt von Markus Walter am 19. März 2020

Sehr geehrter Herr Biesenbach!

Da ich nicht davon ausgehen kann, daß Sie wissen, warum ich als 91-Jährige im Gefängnis sitze, lege ich Ihnen die von mir ohne Beteiligung von Rechtsanwälten aufgelisteten 9 Verfahren innerhalb von 3 Jahren bei, die ich an das Bundesverfassungsgericht und an das Landgericht Detmold und Verden schickte. In beiden Fällen war die Verurteilung rechtskräftig.

Das führte zur Einstellung eines weiteren in Magdeburg anhängigen Verfahrens sowie zur Reduzierung der bereits angetretenen Haftstrafe um 1 Jahr und 8 Monate. Am 6. November 2020 ist Haftende. Meine vorzeitige Entlassung nach verbüßter 2/3-Haftzeit wurde abgelehnt von der Einzelrichterin Oesker, LG Bielefeld, obgleich die Entlassung von der JVA Bielefeld befürwortet wurde.

Ich stimme dem Antrag des Markus Walter auf Grund der veränderten Gesamtsituation zu und beantrage ebenfalls schnellstmögliche Entlassung aus einer — wie ich meine — unverdienten Gefängnisstrafe.

Mit freundlichem Gruß,
Ursula Haverbeck

Ein Oster-Frühlingsgruß von Ursula Haverbeck

Immer noch aus dem Gefängnis – wo Freiheitsstrafen verhängt und verbüßt werden in Unfreiheit. Dank Corona habe ich bisher von dem Hamburger Verfahren keine Nachricht oder keine Terminfestsetzung. Es laufen verschiedene Anträge und jeder wartet ab, was ein anderer zunächst entscheiden wird. So kann ich nur berichten, daß es mir gut geht. Der Himmel ist seit Anfang April meist blau mit viel Sonne, Luft und Wind kalt, doch die Zelle warm, und ich nur leider nicht jünger, sondern langsam etwas altersangepaßter, was aber nichts mit Corona zu tun hat.

Eure Ursula Haverbeck

Vom >anti< gegen etwas zum >pro< für etwas (Ursulas Nachlese zum Wahlzirkus in Thüringen)

Kurzer Überblick zur Landtagswahl in Thüringen:

Nach den Landtagswahlen in Thüringen im Oktober 2019 war die Regierungsbildung schwierig.

Die Linke war stärkste politische Kraft mit dem beliebten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Sie war auch jetzt noch mit 29 Sitzen im Landtag stärkste Partei, doch selbst mit SPD (8) und Grüne (5) Sitzen fehlten immer noch 2 Stimmen an der Mehrheit.
Die CDU (21) hätte es mit AfD (22) und FDP (5) geschafft, doch CDU und FDP hatten ein Zusammengehen mit der AfD vor der Wahl kategorisch ausgeschlossen.
Doch am Mittwoch, den 5. Februar 2020, wurde völlig unerwartet der von der kleinen FDP, die es gerade geschafft hatte, mit 5 Prozent wieder in den Landtag zu kommen, der ins Rennen geschickte Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt. Die Thüringer hatten auf jeden Fall die rot-rot-grüne Regierung loswerden wollen. Das war geschafft.

Im Leitartikel von Ulrich Windolph im Westfalen-Blatt (511.20) war zu lesen:
„Das an einem Strang ziehen von FDP + CDU + AfD ist der Sündenfall schlechthin.“ (…) „Die politische Kultur unseres Landes hat einen brutalen Tiefschlag erlitten, der lange nachwirken wird.“
Die Parteivorstände von CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke kochten vor Wut und Entsetzen.
Die Emotionen gingen hoch.

Was ist denn passiert? Warum denn diese Aufregung?
Eine übliche Landtagswahl fand statt mit bekannten Parteien, um 90 Landtagsabgeordnete zu wählen. Drei Parteien zogen an einem Strang. Ehrlich gesagt, die passen doch noch am besten zusammen. Und das soll nun der Sündenfall schlechthin sein? Wieso denn?

Sie wählten in geheimer Wahl den Ministerpräsidenten und das wurde – sicher für alle, auch für den Gewählten selber – eine Überraschung. Doch auch das ist nicht außergewöhnlich bei einer Wahl. Immerhin hatten CDU und AfD die meisten Wähler.

Verehrte, liebe Landsleute, wo blieben eigentlich wir, das Volk, der oberste Souverän, wie es im Grundgesetz der BRD heißt?

Die erst vor etwas über 5 Jahren gegründete AfD sitzt mit mehr als 90 Abgeordneten im Deutschen Bundestag – säßen sie nicht dort, könnte ich nicht einmal vom „Deutschen“ sprechen. Sie ist ebenso in alle Landtage eingezogen.

In Thüringen haben die etablierten Parteien die Maske fallen gelassen. Unsere, des Deutschen Volkes, politischen Vorstellungen interessieren nicht, JENE brauchen uns nur als Wähler – noch!! Sie sind die Guten und haben den Kampf gegen die Bösen, die Rechten, aufgenommen. Was rechts ist, bestimmen sie.

Als Hauptfeind von rechts gilt zur Zeit die von Millionen deutschen Bürgern gewählte AfD.
Daß mit den Stimmen der AfD in Thüringen ein Ministerpräsident gewählt wurde, nennt dieser „eine Schande, die ihn belastet.“ „Diese Wahl“ soll der Sündenfall schlechthin sein.“ „Es war eine intrigante Absprache“. „Das war Wahlbetrug im großen Maßstab.“ Seiten ließen sich füllen mit solchen Wählerbeleidigungen und dem offenen Verrat der Demokratie.
Merken die Journalisten das denn gar nicht?
Sie kennen doch die Wahlergebnisse von Sachsen-Anhalt, Sachsen und nun Thüringen. Und wieso sprechen Journalisten ausgerechnet über Wahlentscheidungen im Gebiet der DDR mit religiösen Begriffen „Sündenfall“? Merken sie denn nicht, wie sie zu Antidemokraten werden, die Diktatur wieder durchschimmert?

Während die Wahlen in Thüringen jedes klare Nachdenken fortspülten, hatten bei der Gedenkveranstaltung „75 Jahre Befreiung von Auschwitz“ der deutsche Bundespräsident und der französische Präsident Macron in Yad Vashem Reden gehalten. Frank-Walter Steinmeier wies auf die unsühnbare deutsche Schuld hin und Emmanuel Macron erklärte: „Wir haben kein Recht zu vergessen.“
Das gilt für die Deutschen Opfer des Bombenkrieges und die Millionen Vertreibungsopfer genauso, wie für alle Opfer von Unrecht und Krieg. Ungeheures geschah in dem Jahr 1945, was Menschen Menschen zuzufügen vermögen.

Wenn in Thüringen und anderswo die Regierungsmitglieder vereidigt werden, dann sollte nach dem Eid jedem Minister, schön in Eichenholz gerahmt, eine Tafel übergeben werden vom jeweiligen Präsidenten mit der Bitte, es über dem Bett aufzuhängen:

Bedenke, daß Du ein Deutscher bist!

Und aus dem Amtseid, Art. 56 Grundgesetz:
„Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem
Wohle des deutschen Volkes widmen………..
und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

Ursula Haverbeck

Kampf gegen „Rechts“ – Kampf für „Klimaschutz“ – Was ist das?

Seit Jahren wird in der Bundesrepublik von Parteipolitikern aufgerufen zum „Kampf gegen Rechts“, angeblich zur Rettung der Demokratie, und von Schülern zum „Kampf gegen CO2“, angeblich zur Rettung des Klimas.

Sie wissen nicht, wovon sie reden, sonst würden sie „rechts“ nicht zu einem Substantiv machen und es großschreiben, wie ein Hauptwort, dabei ist es doch nur eine Präposition, eine Ortsangabe im Bezug zu etwas Bestehendem.

Und was Klima ist, das sagt die Weltorganisation für Meteorologie lakonisch:
„Das Klima hängt ab von dem über 30 Jahre ermittelten Temperaturdurchschnittswert einer Region.“

Das Klima läßt sich nicht schützen und es kann – wie heute vielfach behauptet wird – durch den Menschen auch nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden, weil es seinem Wesen nach ein Schwankendes ist. Das können hoffentlich bald die Erfinder solche „Kämpfe“ an sich selbst erleben.

Zum Jahresbeginn 2020 war in einer mittelgroßen Tageszeitung am 3. Januar zu lesen:
„Ursula von der Leyen, als Kommissionspräsidentin, muß den Aufbruch in eine CO2-FREIE Zukunft organisieren und durchsetzen.“

Wissen Sie, liebe Mitbürger, was das heißt?
Das hieße nicht mehr und nicht weniger, als Europa in eine Wüste zu verwandeln.

Das grüne Herz Europas und die ca. 30 Länder ringsum leben von drei Dingen: Kohlendioxid (CO2) aus der Luft, Wasser (H2O) aus dem Erdreich und Sonnenwärme und Licht aus Himmelshöhen. Aus deren Zusammenwirken und Sich-Verbinden entsteht die Welt des Lebendigen, die grüne Pflanzendecke der Erde, von der wiederum Tiere und Menschen leben. Ob der Schreiber das tatsächlich nicht wissen sollte? Bei einem Leitartikel ist wohl kaum davon auszugehen, daß der Schreiber nicht weiß, was er redet und schreibt.

Früher im 20. Jahrhundert stand das unter dem Stichwort „Photosynthese“ in jedem Lexikon und Biologieschulbuch. Doch schon im 3-bändigen kleinen Duden von 1983 steht bei Photosynthese nur: siehe Assimilation.

Wie dem auch sei, wir müssen uns sofort der Gegenwart als beginnender Zukunft zuwenden. Wir befinden uns bereits im Zusammenbruch des bisherigen Wirtschaftslebens. Wir wissen, wer das systematisch eingeleitet hat. Die Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ist bestens aufgearbeitet, besonders hilfreich im Großen Wendig, einem Zeitgeschichte-Nachschlagwerk, von dem Naturwissenschaftler und Politiker Dr. Rolf Kosiek und dem Historiker Dr. Olaf Rose in fünf Bänden vorgelegt. Das Konfirmationsgeschenk!

Doch jetzt können wir nicht mehr dem Vergangenen nachsinnen. Jetzt gilt hic et nunc – hier und jetzt – und „der Zukunft zugewandt“, ausgehend von dem, was Europa gegenwärtig darstellt: ein im technischen Fortschritt geistiger Verfall.

Auch die Noch-Kanzlerin hat eine Neujahrsansprache gehalten und zu „Mut zu neuem Denken“ und „zur Bereitschaft, Neues zu wagen“, aufgerufen. Doch was heißt hier neues Denken? Es wird wie immer die Schuld bei anderen gesucht – zurzeit bei den „Rechten“, was immer das ist?

Höhepunkt des geistigen Verfalls erscheint vielen sich verantwortlich fühlenden deutschen Bürgern, das von einen Kinderchor im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesungene Lied von der Großmutter als Umweltsau. Diese Frauen haben im kaum zu steigernden Ausmaß das ganze Entsetzen des Massenmordes – immer noch Krieg genannt – durchlitten. Ist das die Erziehungskunst der heutigen Eltern- und Lehrergeneration? Sie sind die Generation aus „Aus alt mach neu“!

Wir sangen damals in Erinnerung an Weltkrieg I:

„Setzt ihr euren Helden Steine,
baut ihr einem Mann das Mal,
dann vergeßt der Mütter keine,
die da starben hundertmal,
hundertmal in bangen Stunden,
da die Söhne in der Schlacht
einmal nur den Tod gefunden,
fanden sie ihn jede Nacht.

Und, so wäre zu ergänzen:
saßen sie zitternd jede Nacht
bei Geschützdonner, krachenden Splitterbomben
und Raketen, bei zuckenden Feuerstürmen
in den Keller der brechenden Häuser,
völlig erschöpft mit schreienden Kindern
und der bangen Frage: gibt es aus dieser
Hölle noch ein Entkommen?

Neues Denken begänne bei Selbstkritik

Wahrscheinlich ist bereits mehr als die Hälfte der Fließband-ähnlich erscheinenden Gesetze aus Brüssel oder Berlin nur der unzureichende Versuch einer Fehlerkorrektur von früher verfaßten, unzureichenden Gesetzen, weil nicht vor Verabschiedung zuendegedacht.

Fridays for Future“ ist kein neues Denken. Das beginnt im Kopf und nicht bei Protestmärschen. Statt der Spruchbänder, daß mehr gegen das Kohlendioxid getan werden muß, in den Händen, wäre eine Hacke in der Hand, um den Bauern vom Giftspritzen zu befreien, umweltgerechter, das gilt auch für die Hausgärten.

Der Freitag würde besser eingesetzt für mehr Biologieunterricht, nun nicht noch einmal aus Unwissenheit falsche Gesetze zu machen, bzw. die Geschäftsleute daran zu hindern, mit den Politikern falsche Gesetze auszuhandeln im Interesse des Geschäftes, der Gewinnmaximierung. Das müssen die Schüler erst einmal durchschauen lernen.

Der Sonnabend wäre dann für die praktische Arbeit zu nutzen. Nicht tuten und schreien, sondern praktisch werden und den Bauern Arbeit abnehmen, der Umwelt zuliebe.

Für das Neue Jahr 2020:

Frank-Walter Steinmeier forderte von den Bürgern mehr politische Verantwortung,
Angela Merkel ein neues Denken.
Ich würde sagen, wir brauchen erst einmal mehr Ehrfurcht vor dem Gewordenen. Dann sollte die ehrliche, selbstkritische Frage folgen: Beurteilen wir das Zwanzigste Jahrhundert nicht vielleicht völlig falsch?

Widersprüche lassen sich nicht durch Bücherverbote und Gefängnisstrafen klären. Es bedarf einer offenen Erörterung gegensätzlicher Meinungen.

Da passen Schulen mit dem Ziel OHNE RASSISMUS, MIT COURAGE sehr gut.
Sie wollen keine Abgrenzung von Menschen anderen Glaubens, anderer Volkszugehörigkeit, oder weil sie ihre Herkunft lieben, oder die gegenwärtige Politik für verfehlt halten. Daß dergleichen heute noch offen, obgleich oft gedacht, gefordert wird, ist ein sehr schlechtes Zeichen für die Parteienkratie.

Also für die ganze Meinungsfreiheit
mit Mut zur Zukunft!

Ursula Haverbeck

Zum Jahr 2020

Don Quichote kämpfte gegen Windmühlen – um 1600 –
BRD-Parteipolitiker gegen Rechts – um 2000 –

In der Weihnachtsansprache 2019 mahnte der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu mehr Verantwortung. Die Demokratie brauche selbstbewußte Bürger: Mal sehen, ob er es ernst meint?

Wir können ganz einfach formulieren: Eine demokratische Rechtsordnung setzt Demokraten voraus. Bürger, die einen solchen Rechtsstaat wollen und ihre Verantwortung ernst nehmen. Nicht nur in klugen Reden, sondern überall da, wo sie eine Einschränkung oder gar Verhinderung der Freiheitsrechte erkennen, dagegen offen Einspruch einlegen. Hier handelt es sich um die Grundlage und einen der tragenden Pfeiler der Demokratie; in dem Grundgesetz Artikel 1-20.

Es geht um Freiheit – wohlgemerkt! – nicht um triebgesteuerte Willkür.

Bei Schiller heißt es in den „3 Worten des Glaubens“:
„Vor dem Sklaven, wenn er die Ketten bricht,
vor dem freien Menschen erzittert nicht.“

Der Bundespräsident wendet sich unmittelbar an die Deutschen: „Sie alle haben ein Stück Deutschland in Ihrer Hand.“

Das Deutschsein liegt nach Ansicht vieler, besonders jüdischer Anthropologen, im Blut, so auch bei Martin Buber, nicht im Paß.

Wie sollen Paßdeutsche ein Stück Deutschland in ihrer Hand halten?

Als verantwortlicher Bürger, der die Grundrechte, die allen Gesetzen verbindlich übergeordnet sind, ernst nimmt, frage ich mich, wieso herrscht in der BRD ein öffentlich ausgerufener „Kampf gegen Rechts“, gegen rechte Gesinnung, gegen rechte Parteien?

Wissen die Parteipolitiker, die Kirchenführer und die Journalisten nicht, wovon sie reden? Was heißt denn rechts? Wie ist überhaupt diese Wertung zustande gekommen? Wieso hat in der Deutschen Sprache die Ortsangabe „rechts“ etwas mit „Recht“ zu tun? Übrigens ist es im Englischen genauso.

Die Bezeichnung, ob etwas rechts oder links liegt, geht auf den menschlichen Körper zurück, der zwei Hände und zwei Beine hat, die unterschieden wurden, zum Beispiel schon zu der Zeit, als das Wort – das Ehrenwort – und der Handschlag noch ein Rechtsmittel waren.

Da war die rechte Hand die Schwurhand und auch die Schwerthand. Die linke, die gegenüberliegende Hand, mit dem Schild zum Schutz von Herz und Kopf. Die Schwurhand hatte etwas mit dem Recht, dessen Ursprung göttlich ist, zu tun. Als ich vor etwa 88 Jahren lernte, guten Tag zu sagen, da hieß es, gib die richtige, die rechte Hand. Manche sagten auch die schöne Hand

Hieraus wird verständlich, warum früher auch den Linkshändern, sobald das in der Schule erkennbar wurde, die Umstellung auf rechts empfohlen wurde.

Die Sprache hat die alte auf den Körper bezogene Orientierung aufbewahrt. Wir beschreiben heute noch einen Ort, indem wir erklären, gehen sie noch etwa 300 m geradeaus, dann liegt linkerhand die Apotheke und rechterhand der Bus-Stopp!!!

Alle Landkarten sind so aufgebaut. Gehen wir von München nach Hamburg, dann liegt rechts der Sonnenaufgang – Osten – und links der Sonnenuntergang – Westen –. Doch fahren wir zurück, dann ist es genau umgekehrt, da liegt der Sonnenaufgang plötzlich links. Wer nur mit Navigationsgerät reist, merkt das natürlich nicht und kann nicht viel mit dem Jahrgott, dem Symbol des Kreises mit dem Kreuz in der Mitte, anfangen. Wir finden es auf großen Felsplatten eingeritzt aus Urzeiten in Schweden.

Gegen was für ein >rechts< soll da denn gekämpft werden?

Und nun lesen wir in der Zeitung, daß man energisch gegen die rechte Gesinnung und gegen rechte Parteien vorgehen müsse, diese Leute sollen das Böse schlechthin sein. Im Landtag in Sachsen wurden mir nicht nur die Sitzordnung und die Beratungsräume usw. gezeigt, sondern auch das Problem erklärt, was sich so durch den Einzug der NPD damals im Parlament ergab: Man brauchte einen zweiten Raum für die Kantine, denn es wäre doch nicht möglich, in einem Raum zusammen zu essen!!! Donquichoterie!

Es sieht so aus, als kämpften die Linken ums Überleben. Sie haben kein Selbst mehr. Sie wissen nicht mehr, wer oder was sie sind.

Dem Ritter von der traurigen Gestalt, Don Quichote, würde doch kein einziger Spanier die Regierungsvollmacht übertragen haben. Und was machen die BRD-Bürger, immer noch in der Mehrzahl? Sie wählen die Lebensmüden als ihre Volksvertreter. Das kann doch nicht nur an Umerziehung, Fernsehen und Handy liegen? Also woran denn?

Liegt es vielleicht an der Wahnvorstellung, daß alle Menschen gleich seien? Dann könnte es aber nur eine Partei geben: Die Rechte, die richtige, und die Linke ist einfach nur falsch, das Entgegengesetzte von richtig.
Liebe Wegbegleiter aus der weiten Welt!

Herzlich danke ich Euch für Eure ausdauernde Unterstützung mit Wort und Gebet und Blumen usw.

Laßt uns das Jahr 2020 freudig begrüßen. Schluß mit der Donquichoterie!
Sachwalter des Rechts und der Religion und erst recht Volksvertreter machen sich nur noch lächerlich mit ihrem Kampf gegen Rechts.

Wir werden dem übergeordneten Recht, das in allen Religionen göttlichen Ursprungs ist, wieder den ihm gebührenden Platz in Ehrfurcht einräumen.

Eure Ursula

Bericht über die persönliche Anhörung am 4. Dezember 2019 zur Aussetzung derVollstreckung des Strafrestes nach 2/3 der verbüßten Haft im Landgericht Bielefeld

Das Prozedere

Da ich eine solche Anhörung nach der Hälfte der verbüßten Halbzeit schon einmal erlebt hatte, wußte ich, was auf mich zukam.
Für ein halbstündiges Gespräch eine Unternehmung von morgens 7 Uhr bis mittags etwa 12 – 13 Uhr mit stundenlangem Warten in kalter Kellerzelle. Ich mußte also Decke, Sitzkissen, Gerichtsunterlagen bzw. Lesestoff und den üblichen Kleinkram – auf Proviant und Getränk verzichtete ich – mitnehmen. Das ging nicht bei wenigstens noch einer „Geh-Sicherheitshilfe“; ich brauchte also einen Rollator, da konnte ich dann auch die Beine auf der Ablage hochlegen, was nach dem Sturz empfehlenswert war. Es wurde auch genehmigt, was ich am Abend zuvor gegen 20 Uhr endlich erfuhr…!

Das war am 4. Dezember. Am 5. heißt es bereits im Beschluß: „…hat die Strafvollstreckungskammer Bielefeld durch die Richterin Oesker als Einzelrichterin beschlossen, daß der Strafrest nicht erlassen wird“.
Es war die gleiche Richterin wie bei der Halbzeitentscheidung. Darüber habe ich schon berichtet. Da ging es mir um den Mißbrauch bei einem Äußerungsdelikt, den es nicht geben kann.

Aus der damaligen Ablehnung wird am 4. Dezember übernommen: „…daß die Antragstellerin an den von ihr gezogenen Schlußfolgerungen bezüglich Auschwitz und Holokaust festhält und weiterhin nicht gewillt ist, die im Paragraph 130 StGB normierte Strafbarkeit ihres Handelns zu akzeptieren“.
Dabei wird aber zugegeben:
„Die Kammer übersieht nicht, daß die Vollzugsanstalt eine vorzeitige Entlassung befürwortet hat. Die Kammer folgt dem indes nicht…“

Was fällt hieran auf? Es wird peinlichst vermieden, die Persönlichkeiten zu benennen, die Derartiges entscheiden, schließlich kann das weder eine Kammer noch eine Anstalt.
Soll damit alles auf die junge Einzelrichterin Oesker abgewälzt werden?
Diese legte ihrer Entscheidung eine Vermutung zugrunde. Reicht das für die weitere Inhaftierung einer inzwischen 91-Jährigen?

Die Beurteilung des Verhaltens im mitmenschlichen Umgang ist positiv seitens der Leitung der JVA, die die Antragstellerin immerhin seit gut einem Jahr kennt.

Was fällt weiter auf?
Die Art der Straftat wird nicht benannt. In der Regel wird sie aber in Begründungen, insbesondere von Verurteilungen, genau angegeben.
Hier heiß es: „…die Antragstellerin hält an den von ihr gezogenen Schlußfolgerungen bezüglich Auschwitz und Holokaust fest. Sie sei nicht gewillt, die Strafbarkeit ihres Handelns zu akzeptieren.“
Aber was ist denn ihr Handeln, an dessen Folgerungen sie festhält? Das wird verschwiegen.

Die strafbare Handlung besteht in der bis heute (…)

Die Vermutung der Einzelrichterin Oesker bestand in der Feststellung: „Wenn ich Sie hier so vor mir sehe, dann bin ich sicher, daß Sie bei Freilassung genau so weitermachen werden mit Seminaren und Vorträgen und Herumreisen zu diesen Themen.“

„Wie kommen Sie darauf?“, war meine Entgegnung, „ich habe Ihnen doch gerade erklärt, daß ich zurzeit überhaupt nicht weiß, was mein Körper nach fast zwei Jahren Haft hergibt. Ich muß zunächst die dringenden ärztlichen Behandlungen absolvieren und außerdem will ich etwas ganz anderes, was meinem Alter besser entspricht: ich möchte eine Chronologie des Rechtslebens ab 1980 schreiben.“

Doch die Richterin, wahrscheinlich ein halbes Jahrhundert jünger als ich, fand offensichtlich ihre Vermutung realistischer – oder hatte den Auftrag, es so zu sehen.

Der Antrag auf Entlassung nach 2/3 der verbüßten Haftstrafe wurde abgelehnt.

Ursula Haverbeck

Adventsgrußbotschaft von Ursula Haverbeck

Liebe Freunde und die ihres Volkstums bewußten Freunde in aller Welt!

Für eine besinnliche Ruhepause in der Adventszeit, zur Erinnerung an die Hintergrundmächte anderer Art als die heute oft aufgebauschten Angstmacher.

Mit meinem herzlichen Dank für unermüdliches Gedenken, Briefe, Aktionen, Bildkarten und wunderschöne Blumen, wünsche ich Ihnen allen persönlich ein frohes Fest und uns gemeinsam ein Gesundheit und Frieden bewahrendes Jahr 2020.

Im Anfang war das Wort“

Diese erste Zeile aus dem Prolog des Johannesevangeliums hat bis heute immer wieder ein Überdenken, auch ein Infragestellen der zwei Hauptwörter >Anfang< und >Logos< hervorgerufen.

Bei >Anfang< tauchte unweigerlich eine Gedichtzeile von Hermann Hesse auf: „denn jedem Anfang wohnt ein Ende inne“.

Das war hier nicht gemeint. Es handelte sich doch um etwas, wie in der deutschen Vorsilbe -ur- angedeutet wird: Ursprung, urtümlich und dann vom >ur< zu >ar< in Archetyp, Architekt usw. Im Griechischen heißt es >archä<.

Trotz neuer Einheitsübersetzung bleibe ich beim: Im Urbeginne war das Wort.

„Logos“ mit „Wort“ wiederzugeben, weckt zunächst auch Zweifel. Schon ein einfaches Fremdwörterlexikon gibt eine Vielzahl von Bedeutungen für Logos an: Geist, Bewußtsein, Sprache, Wort, Gott, Christus – Welcher dieser Ausdrücke enthält bei Allgemeinverständlichkeit dennoch eine Ahnung vom Bedeutungsumfang? Dann tauchen im Bewußtsein auf:

>Deutschland, heiliges Wort<

>du voll Unendlichkeit< – da ich nicht weiß, ob dieses Lied heute noch bekannt ist.

>Das Wort sie sollen lassen stahn<‚ >du darfst das nicht wortwörtlich nehmen< und auch: >das ist ein großes Wort<. Und schließlich noch die >Ich-bin<-Worte Jesu am Kreuz.

Das Wort habe ich beibehalten.

Die folgenden Zeilen bis zu: „Ein Mensch trat auf“ behalte ich bei und lernte sie auswendig. Erst jetzt wurde dabei die Tiefsinnigkeit ganz erkennbar.

Im Urbeginn war das Wort,

und das Wort war bei Gott

und ein Gott war das Wort.

Dieses war vom Urbeginn bei Gott.

Alles ist durch dasselbe geworden,

und ohne es wurde nichts

von dem Gewordenen.

In ihm war das Leben

und das Leben

war das Licht der Menschen,

und das Licht leuchtet

in der Finsternis,

aber die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Und ein Gott war das Wort, die Einheit von Wort, Sprache und Denken kündigt sich an und die darin enthaltene Schöpferkraft. Denken wir an die erste Schöpfungsgeschichte des AT 1,3: „Gott sprach: ‚Es werde Licht‘, und es wurde Licht.“

„Sesam, öffne Dich“ heißt es im arabischen Märchen, und der Berg öffnete sich, und Entsprechendes ereignet sich auch in den Grimm’schen Märchen. Kaum hatte er den Wunsch ausgesprochen, da hatte das Pferd einen schönen Sattel auf dem Rücken.

Und in dem Finnischen Nationalepos, „Kalewala“, da besingt der alte Väinämöinen die Fichte und ihren Wipfel, den Großen Bären und den Mond, und staunend betrachtet der Schmied Ilmaringen den Baum. Er steht da.

Ein Gott war das Wort und alles ist durch dasselbe geworden von dem Gewordenen.“ Das ist nicht anders zu verstehen, als Gott und Sprache sind eins. Die Sprache ist der in Erscheinung getretene Geist.

Die Menschen werden über die Welt nach ihren verschiedenen Sprachen zerstreut. Das wird ganz gezielt als Gottes Wille dargestellt: in Genesis I, 10,5:

Von ihnen trennten sich die Inseln der Völker in ihren verschiedenen Ländern, jedes nach seiner Sprache, gemäß ihren Sippen innerhalb ihrer Völker.“

Ausführlich wird die Sprachverwirkung und Zerstreuung der Völker nach ihren Sprachen dargestellt, im letzten Kapitel der Genesis I, 11 Der Turmbau zu Babel.

Ich weiß nicht, was in die Vertreter des Christentums gefahren ist, daß sie meinen, die Völker abschaffen zu können. Jede ihrer Sprachen ist eine bestimmte Weltanschauung. Alle zusammen nur können zu dem großen Einen gelangen, zur Ganzheit des Schöpfergeistes, der mittels der – schon vorhandenen – Sprache bewußt wird.

Wilhelm von Humboldt hatte auf die Frage nach dem Anfang von Mensch und Sprache geantwortet:

„Der Mensch ist, weil er Sprache hat, und er hat Sprache, weil er Mensch ist“. Das >dahinter< oder >davor< bleibt im Dunklen.

Das Wort, der Logos, war nicht nur von Anbeginn bei Gott, es ist Gott, wie es dann im Christentum, Johannisprolog 1 ff. heißt:

In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“

Das leuchtet mir ein“, oder „mir geht ein Licht auf“. Die Sprache weiß es und wir reden es nach.

In dem >Göttlichen in uns< liegt unsere Würde begründet. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ So steht es an erster Stelle im Grundgesetz, Artikel 1.

Diese Einheit von Gott und Sprache begegnet uns bildhaft auch im Odinmythos der Edda. Odin, der Geistgott, löst sich vom Weltenbaum, gelangt auf die Erde, liest die Runen, die Wortzeichen – die Buchstaben – auf und schreitet nun von Wort zu Wort und von Werk zu Werk.

Wir lesen noch heute Buch-staben auf den Blättern unserer Bücher, die einst Tafeln aus Buchenholz waren. Und mit ihren Blättern immer noch auf den Baum hinweisen.

Der Baum ist seit je den germanischen Völkern heilig, stammt der Mensch nach der Edda doch vom Baum ab. Alle bedeutenden Ereignisse werden bis heute mit dem Baum verknüpft: der Lebensbaum, der bei der Geburt eines Kindes gepflanzte Baum, der Mai- und der Mittsommerbaum, der Richtbaum, der vor die Haustür zu Pfingsten gestellte Pfingstbaum, und nicht zuletzt der so viel besungene Weihnachts- oder Christbaum.

Hier haben wir eine besonders enge Verschmelzung mit Christentum und germanischer Mythologie.

Das Gegeneinander ist eine Erfindung unserer Feinde – und wie viele sind darauf hereingefallen.

Eines unserer ältesten Weihnachtslieder

Es kommt ein Schiff geladen bis an den höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewiges Wort.

Das Schiff geht still im Triebe, es trägt ein teure Last,

das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

Der Anker haft auf Erden, da ist das Schiff an Land.

Das Wort will Fleisch nun werden, der Sohn ist uns gesandt.

(Nach einem Marienlied aus Straßburg, 15. Jahrhundert)

Wer denkt da nicht an das Bild zu Mittsommer:

Der von seinem blinden Bruder Hödur getötete Sonnengott Baldur treibt auf dem brennenden Schiff hinaus in das Weltenmeer, entschwindet im Übergang von Himmel und Meer.

Odin aber flüstert: „Baldur kehrt wieder.“

Und in England gab es ein uraltes Weihnachtsspiel, da lag kein Christuskind in der Krippe, sondern der Heiland – oder Heliand – glitt feierlich auf einem Schiff an Land und brachte die strahlende Sonne zurück. (überliefert von Georg Blattmann)

Was nicht heißt, daß die Inkarnation des Gottes im Menschen, in der Heiligen Familie nicht gerade in unserer Zeit eine wichtige Botschaft verkündet.

„Wer vom Volk nicht reden will,

braucht vom Menschen nicht zu sprechen.“

(Hennig Eichberg)

JVA Bielefeld-Brackwede, im November 2019

Ursula Haverbeck